God, grant me the serenity to accept the things I cannot change, courage to change the things I can and the wisdom
to know the difference.
Vorsichtig ausgedrückt: Die Wohnungssuche könnte zu Ende sein. Könnte, nicht "ist". Nach nun gut drei Wochen sollte es auch gut sein. Es ist heiß, die Wege sind lang und wenn man zusätzlich nach der Arbeit noch stundenlang durch die Stadt wetzt, schlaucht es ungemein. Die Sk8-Hi sind so gut wie durchgelatscht, jeder Schritt macht sich bemerkbar. Dazu diese verdammte Hitze. Was wäre es wert, nun eine Wohnung zu haben und die Suche damit 28 Tage vor Ablauf der absoluten Deadline beenden zu können? Eine Menge. Ruhe, relaxt umziehen, nicht mehr ständig Anzeigen suchen, anrufen, hinfahren, warten. Das hat die Entscheidung nun beeinflusst, ganz klar. Es ist kein Wert, der in Geld aufzuwiegen wäre, aber es lässt mich ruhiger schlafen. Und davor eine kleine Story erzählen, wie das so ist, wenn man in Darmstadt eine Wohnung sucht. Vielleicht liest das ja der eine oder andere Erstsemester, der sich warum auch immer hierher verirrt, während er grade auf Wohnungssuche ist.
Zunächst mal gibt es die perfekte Bude nicht. Klar, es gibt Buden, die alles haben, was man will, egal was das ist. Aber das kostet und "perfekt" heißt in dem Sinn, dass es auch preislich attraktiv ist. Vielleicht gibt es sie auch in einer der tollen WGs, die es sicher auch hier gibt, so die Buden, die man dann immer in den Reality-Shows sieht. Kann schon sein. Kann auch sein, dass es Gott gibt oder "Max Payne 3" nächstes Jahr erscheint. Alles möglich. Muss man nur feste dran glauben und dann wird alles wahr und gut und schön. Die Außentemperaturen haben den Part in meinem Hirn, der für dererlei Übernatürliches zuständig ist, leider ein wenig angesengt, das wird also nichts mit Glaube, Liebe, Hoffnung. Stattdessen knallharter Realismus und der schaut so aus, wie nun anhand einiger Besichtigungen beschrieben.
Versuch 1: Kranichstein. Genau, da wo es hart ist, zumindest der Legende nach. Wir sitzen dagegen in der klimatisierten Linie 5 in aller Ruhe, auch auf dem Weg zum Hochhaus werden wir weder überfallen noch vermöbelt. Alles halb so wild. Das Hochhaus leider nicht. Da würde ich nicht mal Suizid vom Dach begehen, geschweige denn einziehen. In Erinnerung bleibt ein 20er-Pack "Billy Boy" auf dem Nachttisch der Bewohnerin. Und ein Bad, in dem es kein Licht gab. Kotzelache im Treppenhaus. Und tschüss.
Versuch 2: Kann ja alles nicht so wild sein, fahren wir nochmal nach Kranichstein raus. Diesmal Waldrand, mit Wiese, ruhig, Neubau, kein Hochhaus. Drei Zimmer, die fast geeignet wären, vergisst man einmal, dass vor dem einen ein Kinderspielplatz liegt. Mit Kindern. Lärmenden Kindern. Dafür ist der Flur schön und reichlich Stauraum vorhanden. Aber Kranichstein ist einfach zu weit ab vom Schuss, das kann man drehen und wenden wie man will.
Versuch 3: Innenstadt-Nähe, alles ganz prima soweit, wenn auch ohne Küche. Und mit Durchgangszimmer. Was das Aus bedeutet, soll ja eine Zweier-WG werden. Zudem an einer der am Stärksten befahrenen Straßen der Stadt. Forget it. Dafür eine geraucht.
Intermezzo: Lustig, was man am Telefon so erlebt. Heute auf eine Anzeige im "Echo" hin angerufen, noch bevor ich meinen Nachnamen ausgesprochen oder gar mein Anliegen angesprochen habe, blafft es mir vom andern Ende der Leitung entgegen "Die Wohnung ist weg", worauf es von mir nur ein "Ok" gab und ich immerhin der erste war, der den Hörer aufgeknallt hat. Anderes Beispiel: "Ich bräuchte einen etwaigen Grundriss der Wohnung, da ich gerne mit einem Mitbewohner einziehen würde", daraufhin kläfft's "Ist ja schön dass sie das wollen aber der Vermieter will das nicht. Auf Wiederhören." Was soll das "auf Wiederhören"? Diese Person würde ich noch nicht mal für Geld jemals wieder anrufen. Auch lustig: Termine ausmachen und der Vermieter schreibt sie sich nicht mal auf und vergisst sie. Oder Makler, die "ganz, ganz sicher" morgen zurückrufen wollen - und es natürlich nie tun. Das alles ist auch Wohnungssuche.
Versuch 4: Nun passt echt mal alles. Topmodern, groß, hell, Garten, Küche drin, Internet drin, Strom drin. Und nicht mal derart überteuert. Wo ist hier nur der Haken? Ein kleiner Tipp: Sie hat zwei Bäder. Und vier Zimmer. Richtig: Eine Vierer-WG. Eine pervers moderne, genau das Richtige, makellos. Nur: Vier Personen? Wir werden uns nicht einig, hin und her halten sich die Waage. Rat vom Mitbewohner: "Wir suchen uns zwei Taubstumme." Rat von mir: "Aber keine Frauen in der Bude, das geht nie gut." Antwort darauf: "Allerdings". Gebrannte Kinder.
Versuch 5: Klappt am ersten Tag nicht, da der aktuelle Mieter zwar pünktlich erscheint, aber den Wohnungsschlüssel vergisst. Das ist Wohnungssuche in Darmstadt, der Mitbewohner
twittert's schon mal, während wir bei 35 Grad im Schatten über eine Stunde gewartet hatten. Klasse. Die Bude dann heute angeschaut. Eigentlich nicht schlecht. Wäre sie nicht im Erdgeschoss und an eben jener starkbefahrenen Straße, wo auch schon Versuch 3 lag. Und wieder nichts.
Versuch 6: Direkt beim Mitbewohner um die Ecke. Groß, verdammt groß. Ach Blödsinn: riesig. Noch einiges an Renovierungen zu tun, aber das ist halb so wild. Problem: Kosten. Mit fast 400 pro Person zwar groß im Platz, aber auch im Preis. Wieder nichts? Scheiße nochmal, die Küche hatte sogar ne Spülmaschine. Scheiße, scheiße, scheiße, in das Wohnzimmer hätte ich einen Minigolfplatz bauen können.
Noch ein Intermezzo: Die Lage ist entscheidend. Ganz im Ernst. Es gibt No-Go-Areas. Nicht, weil es dort vor Nazis wimmelt, sondern weil es zu weit weg ist. Beispielsweise Kranichstein. Oder Eberstadt. Wixhausen genauso. Weiterstadt erst recht. Da kann man ja gleich nach Mainz ziehen. Und komischerweise sind die Buden in den Trabanten auch nicht immer billiger. Es bringt also wenig, höchstens längere Bus- und Bahnfahrten. Die Traumbude ist in Innenstadtnähe, dennoch ruhig, aber gleichzeitig zentral gelegen. Und natürlich bezahlbar. Kohle ist schließlich auch so ein Faktor, wahrscheinlich ein so nerviger, dass wir damit besser gar nicht erst anfangen.
Versuch 7: Konnte ich hinlaufen, war um die Ecke. Der Begriff "schnuckelig" beschreibt es noch am ehesten. Für eine Einzelperson sicher ganz toll, übrigens erstaunlich ruhig gelegen und mit einem lustigen, kleinen Balkon über den Hinterhof hinaus. Zudem nicht alle Wände so richtig gerade, stattdessen mal hier eine kleine Kurve drin. Klein auch die Küche, mit etwas Wohlwollen hätte man noch einen Tisch reinbekommen. Klein auch der Flur, da passt vielleicht ein ganz, ganz kleines Schuhregal rein. Dafür ein sehr schönes Bad. Was auch eines der wichtigsten Kriterien ist nach dem "Bad" der vergangenen drei Jahre. Hüstel. Er, der er Erstsemester ist und hier eine Bleibe sucht, merke: Bei Altbauten das Bad besser dreimal als zweimal anschauen. Nur weil eine Bude einen schönen Schnitt hat, ist noch lange nicht alles perfekt. Und schon gar nicht so billig, wie es vielleicht wirken mag.
Versuch 8: Der Treffer. Wahrscheinlich. Sicher. Ganz wahrscheinlich. Relativ sicher. Mit hoher Wahrscheinlichkeit. Details bald.